
Auf den ersten Blick klingt es nach zusätzlicher Sicherheit: noch ein paar Hübe mehr mit der Fettpresse, damit das Lager auf jeden Fall gut versorgt ist. In der Praxis passiert jedoch das Gegenteil. Zu viel Fett wird von den Wälzkörpern regelrecht durchgequirlt. Ein Effekt, den Fachleute als Churning bezeichnen. Der Reibungswiderstand im Lager steigt, die Temperatur nimmt zu und der Schmierstoff altert schneller als unter normalen Bedingungen. Die Folgen sind Überhitzung, vorzeitiger Lagerausfall, beschädigte oder herausgedrückte Dichtungen und ein erhöhter Energiebedarf, weil der Antrieb buchstäblich gegen zähe Fettmassen arbeiten muss. Überschmierung kann dabei ebenso schädlich sein wie Mangelschmierung, in beiden Fällen verliert der Schmierfilm seine Schutzwirkung.
Warum Überschmierung im Betriebsalltag so häufig vorkommt
Überschmierung entsteht selten aus Nachlässigkeit. Sie entsteht aus gut gemeinten Routinehandlungen, unklaren Verantwortlichkeiten und fehlenden Berechnungsgrundlagen.
Zu hoher Druck bei manueller Nachschmierung ist einer der häufigsten Fehler in der Instandhaltungspraxis. Mit der Handfettpresse auf Nummer sicher noch einen Hub mehr zu geben, presst Fett an Dichtungen vorbei, drückt diese aus dem Sitz oder belastet Labyrinth- und Nilosdichtungen so stark, dass sie dauerhaft Schaden nehmen. Das Lager läuft heiß, Fett tritt aus und bildet im Anlagenumfeld Rutschstellen und Schmutzfänger.
Schmieren im Stillstand führt dazu, dass sich das zugeführte Fett nicht verteilen kann und der gesamte Freiraum sich füllt. Beim Wiederanlauf müssen die Wälzkörper gegen eine nahezu vollständig gefüllte Fettkammer arbeiten, mit Fettstau, Temperaturanstieg und im schlimmsten Fall Unwuchten durch ungleich verteilte Fettansammlungen.
Das Missverständnis „Quietschen bedeutet zu wenig Fett" verleitet dazu, in einem bereits geschädigten Lager einfach nachzupumpen, dabei werden Partikel und Verschmutzungen tiefer ins Lager hineingepresst und der Verschleiß beschleunigt, statt gestoppt.
Mehrere Personen schmieren dieselbe Stelle ohne Koordination und Dokumentation: Im Schichtbetrieb summieren sich einzelne Sicherheitshübe schnell zu massiver Überschmierung, nicht aus Absicht, sondern aus fehlender Abstimmung.
Überschmierung zeigt sich durch eine Reihe von Signalen, die in der Praxis oft falsch gedeutet oder schlicht ignoriert werden.
Austretendes Fett an Dichtungen und Lagergehäusen ist eines der deutlichsten Zeichen. Es wird jedoch häufig als unvermeidlich abgetan, statt als Symptom erkannt. Erhöhte Lagertemperaturen gegenüber dem Normalbetrieb, ungewöhnliche Geräusche oder Vibrationen sowie rissige, verschobene oder herausgedrückte Dichtungen sind weitere Alarmsignale. Auch ein auffällig hoher Schmierstoffverbrauch mit häufigeren Nachbestellungen kann auf systematische Überschmierung hinweisen. All diese Symptome zeigen, dass das Lager mechanisch und thermisch überlastet wird und der Schmierstoff seine Schutzfunktion bereits verloren hat oder kurz davor ist, sie zu verlieren.
Das Gefährliche an Überschmierung liegt darin, dass sie äußerlich wie ausreichende Versorgung aussieht und deshalb selten als Ursache erkannt wird. Durch das Churning der Wälzkörper wird das Fett erhitzt: Öl blutet verstärkt aus, der Verdicker bleibt zurück und verhärtet. Der Schmierfilm bricht zusammen, obwohl optisch noch reichlich Fett vorhanden ist. Das Lager läuft heiß, verschleißt schnell und fällt vorzeitig aus, ohne dass die Instandhaltung den Zusammenhang zwischen dem „zu viel" und dem Schaden sofort herstellt.
Erschwerend kommt hinzu, dass mit steigender Temperatur die Alterung des Schmierstoffs beschleunigt wird. Bereits eine Erhöhung der Betriebstemperatur um etwa 10 °C reduziert die Schmierstofflebensdauer nach Herstellerangaben und Erfahrungswerten aus der Praxis deutlich. Ein Effekt, der bei Überschmierung dauerhaft und systematisch auftritt.
Automatische Schmierung arbeitet grundlegend anders als die Handfettpresse: Schmierstoffgeber geben kontinuierlich kleine, exakt dosierte Fettmengen ab, ohne Druckspitzen, ohne schubweise Überfettung und unabhängig davon, ob gerade jemand im Schichtplan für die Schmierung zuständig ist. Das vermeidet Churning, reduziert Temperaturspitzen und hält den Schmierfilm gleichmäßig stabil. Erfahrungswerte aus der Praxis zeigen, dass sich der Schmierstoffverbrauch beim Umstieg auf automatische Schmierstoffgeber typischerweise um 20 bis 25 Prozent reduziert, weil sowohl Über- als auch Unterversorgung systematisch verhindert werden.
Den Einstieg empfiehlt es sich, mit den problematischsten Schmierstellen zu beginnen: den Lagern mit den höchsten Wartungskosten, den häufigsten Ausfällen oder der schlechtesten Zugänglichkeit.
Fettmenge berechnen statt schätzen: Statt nach Gefühl zu schmieren, lässt sich die benötigte Fettmenge auf Basis einfacher Lagerdaten bestimmen. Eine in der Praxis weit verbreitete Faustformel lautet:
Diese Formel liefert eine ausreichende, aber nicht übermäßige Ausgangsgröße. Ergänzend empfiehlt es sich, Herstellerangaben zu prüfen, Schmierintervalle zu dokumentieren und bei heißen oder stark belasteten Anwendungen kleinere Mengen in kürzeren Intervallen zu wählen.
Zustandsüberwachung einführen: Regelmäßige Kontrollen helfen, Überschmierung frühzeitig zu erkennen, bevor sie zum Schaden führt. Temperaturmessungen per Kontaktsensor oder Infrarotkamera im Vergleich zu definierten Referenzwerten, Sichtkontrollen auf Fettspuren und Leckage, akustische und Vibrationsmessungen sowie stichprobenartige Fettanalysen auf Verunreinigung, Verhärtung oder Ölabscheidung sind dabei die wirksamsten Werkzeuge. Diese Maßnahmen kosten etwas Zeit, sie geben der Instandhaltung aber einen klaren Überblick darüber, ob die Schmierung tatsächlich passt oder ob stille Überschmierung bereits im Gang ist.
GREASEMAX® ist ein gasgetriebener Einzelpunkt-Schmierstoffgeber ohne Strom, ohne Elektronik und ohne externe Steuerung. Sein Funktionsprinzip schließt die häufigsten Ursachen von Überschmierung strukturell aus: Die Schmierstoffabgabe erfolgt ohne den hohen Druck einer Handfettpresse, der Dichtungen belastet und Fett an Lagern vorbeipresst. Statt schubweiser Überfettung wird der Schmierfilm kontinuierlich mit Kleinstmengen gleichmäßig und dauerhaft aufrechterhalten. Laufzeiten von 1, 3, 6 oder 12 Monaten lassen sich präzise auf den individuellen Schmierbedarf der Lagerstelle abstimmen. Und jede Schmierstelle wird zuverlässig versorgt – unabhängig davon, ob Koordination oder Dokumentation im Schichtbetrieb lückenlos funktionieren.
Überschmierung entsteht nicht aus Fahrlässigkeit. Sie entsteht aus gut gemeinten Routinen, fehlenden Berechnungsgrundlagen und unkoordinierten Abläufen im Schichtbetrieb. Technisch führt sie jedoch zu genau den Problemen, die durch das „extra Fett" verhindert werden sollten: höherer Verschleiß, Temperaturanstiege, Dichtungsschäden und Energieverluste. Wer Fettmengen berechnet statt schätzt, Zustände überwacht und automatische Schmierstoffgeber wie GREASEMAX® einsetzt, schützt Lager und Dichtungen zuverlässig und reduziert dabei gleichzeitig Schmierstoffverbrauch, Energiekosten, Reinigungsaufwand und die zeitintensive manuelle Schmierarbeit.





