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January 20, 2026
Aus der Praxis

Wie erkenne ich Überschmierung und welche Maßnahmen helfen wirklich?

Intro

Auf den ersten Blick klingt es nach zusätzlicher Sicherheit: noch ein paar Hübe mehr mit der Fettpresse, damit das Lager auf jeden Fall gut versorgt ist. In der Praxis passiert jedoch das Gegenteil. Zu viel Fett wird von den Wälzkörpern regelrecht durchgequirlt, ein Effekt, den Fachleute als Churning bezeichnen. Der Reibungswiderstand im Lager steigt, die Temperatur nimmt zu und der Schmierstoff altert schneller als unter normalen Bedingungen.

Die Folgen sind Überhitzung, vorzeitiger Lagerausfall, beschädigte oder herausgedrückte Dichtungen und ein erhöhter Energiebedarf, weil der Antrieb buchstäblich gegen zähe Fettmassen arbeiten muss. Praxisberichte und Herstellerauswertungen zeigen dabei übereinstimmend: Überschmierung kann ebenso schädlich sein wie Mangelschmierung. In beiden Fällen verliert der Schmierfilm seine Schutzwirkung.

Warum Überschmierung im Betriebsalltag so häufig vorkommt

Überschmierung entsteht selten aus Nachlässigkeit. Sie entsteht aus gut gemeinten Routinehandlungen, unklaren Verantwortlichkeiten und fehlenden Berechnungsgrundlagen.

Zu hoher Druck bei manueller Nachschmierung: Mit der Handfettpresse „auf Nummer sicher" noch einen Hub mehr zu geben, ist einer der häufigsten Fehler in der Instandhaltungspraxis. Der hohe Druck presst Fett an Dichtungen vorbei, drückt diese aus dem Sitz oder belastet Labyrinth- und Nilosdichtungen so stark, dass sie dauerhaft Schaden nehmen. Das Lager läuft heiß, Fett tritt aus und bildet im Anlagenumfeld Rutschstellen und Schmutzfänger.

Schmieren im Stillstand: Wird ein Lager im Stillstand geschmiert, kann sich das zugeführte Fett nicht verteilen und der gesamte Freiraum füllt sich. Beim Wiederanlauf müssen die Wälzkörper gegen eine nahezu vollständig gefüllte Fettkammer arbeiten. Das erzeugt Fettstau, Temperaturanstieg, Schmierstoffalterung und im schlimmsten Fall Unwuchten durch ungleich verteilte Fettansammlungen.

„Wenn es quietscht, mehr Fett": Geräusche und Quietschen aus einem Lager werden häufig als Signal für zu wenig Schmierstoff interpretiert. Dabei können sie ebenso gut auf Schmutz, beginnende Schäden oder ein falsches Schmierstoffregime hinweisen. Wer in diesem Fall einfach nachpumpt, drückt Partikel und Verschmutzungen tiefer ins Lager hinein und beschleunigt den Verschleiß, statt ihn zu stoppen.

Mehrere Personen schmieren dieselbe Stelle: Im Schichtbetrieb ist es ein klassisches Problem: Niemand weiß genau, wer wann geschmiert hat. Ohne klare Dokumentation summieren sich einzelne „Sicherheitshübe" schnell zu massiver Überschmierung. Nicht aus Absicht, sondern aus fehlender Koordination.

Woran erkenne ich Überschmierung?

Überschmierung zeigt sich durch eine Reihe von Signalen, die in der Praxis oft falsch gedeutet oder ignoriert werden.

Austretendes Fett an Dichtungen und Lagergehäusen ist eines der deutlichsten Zeichen aber es wird häufig als unvermeidlich abgetan, statt als Symptom erkannt. Erhöhte Lagertemperaturen gegenüber dem Normalbetrieb, ungewöhnliche Geräusche oder Vibrationen sowie rissige, verschobene oder herausgedrückte Dichtungen sind weitere Alarmsignale. Auch ein auffällig hoher Schmierstoffverbrauch mit häufigeren Nachbestellungen kann auf systematische Überschmierung hinweisen.

All diese Symptome zeigen, dass das Lager mechanisch und thermisch überlastet wird und der Schmierstoff seine Schutzfunktion bereits verloren hat oder kurz davor ist, sie zu verlieren.

Warum Überschmierung besonders tückisch ist

Das Gefährliche an Überschmierung liegt darin, dass sie äußerlich wie ausreichende Versorgung aussieht und deshalb selten als Ursache erkannt wird.

Durch das Churning der Wälzkörper wird das Fett erhitzt. Öl blutet verstärkt aus, der Verdicker bleibt zurück und verhärtet. Der Schmierfilm bricht zusammen, obwohl optisch noch reichlich Fett vorhanden ist. Das Lager läuft heiß, verschleißt schnell und fällt vorzeitig aus ohne dass die Instandhaltung den Zusammenhang zwischen dem „zu viel" und dem Schaden sofort herstellt.

Erschwerend kommt hinzu, dass mit steigender Temperatur die Alterung des Schmierstoffs beschleunigt wird. Bereits eine Erhöhung der Betriebstemperatur um etwa 10 °C reduziert die Schmierstofflebensdauer nach Herstellerangaben und Erfahrungswerten aus der Praxis deutlich. Ein Effekt, der bei Überschmierung dauerhaft und systematisch auftritt.

Welche Maßnahmen wirklich helfen

Automatische Schmierung einsetzen

Automatische Schmierstoffgeber arbeiten grundlegend anders als die Handfettpresse: Sie geben kontinuierlich kleine, exakt dosierte Fettmengen ab ohne Druckspitzen, ohne schubweise Überfettung und unabhängig davon, ob gerade jemand im Schichtplan für die Schmierung zuständig ist.

Das vermeidet Churning, reduziert Temperaturspitzen und hält den Schmierfilm gleichmäßig stabil. Erfahrungswerte aus der Praxis zeigen, dass sich der Schmierstoffverbrauch beim Umstieg auf automatische Schmierstoffgeber typischerweise um 20 bis 25 Prozent reduziert weil sowohl Über- als auch Unterversorgung systematisch verhindert werden.

Wer den Einstieg in die automatische Schmierung plant, beginnt am besten mit den problematischsten Schmierstellen: den Lagern mit den höchsten Wartungskosten, den häufigsten Ausfällen, der schlechtesten Zugänglichkeit oder der größten Sensibilität gegenüber Schmierfehlern.

Fettmenge berechnen statt schätzen

Statt nach Gefühl zu schmieren, lässt sich die benötigte Fettmenge auf Basis einfacher Lagerdaten berechnen. Eine in der Praxis weit verbreitete Faustformel lautet:

G = 0,005 × D × B

Dabei steht G für die Fettmenge in Gramm, D für den Außendurchmesser des Lagers in Millimeter und B für die Lagerbreite in Millimeter. Diese Formel ist in zahlreichen Praxisleitfäden und Herstellerempfehlungen etabliert und liefert eine ausreichende, aber nicht übermäßige Ausgangsgröße.

Ergänzend empfiehlt es sich, Herstellerangaben zu prüfen, Schmierintervalle zu dokumentieren und bei heißen oder stark belasteten Anwendungen lieber kleinere Mengen in kürzeren Intervallen zu wählen als große Mengen auf einen Schlag.

Zustandsüberwachung einführen

Regelmäßige Kontrollen helfen, Überschmierung frühzeitig zu erkennen, bevor sie zum Schaden führt. Temperaturmessungen per Kontaktsensor oder Infrarotkamera im Vergleich zu definierten Referenzwerten, Sichtkontrollen auf Fettspuren und Leckage, akustische und Vibrationsmessungen sowie stichprobenartige Fettanalysen auf Verunreinigung, Verhärtung oder Ölabscheidung sind dabei die wirksamsten Werkzeuge.

Diese Maßnahmen kosten wenig Zeit, sie geben der Instandhaltung aber einen klaren Überblick darüber, ob die Schmierung tatsächlich passt oder ob stille Überschmierung bereits im Gang ist.

GREASEMAX® ist ein gasgetriebener Einpunkt-Schmierstoffgeber, der ohne Strom, ohne Elektronik und ohne externe Steuerung auskommt. Sein Funktionsprinzip schließt die häufigsten Ursachen von Überschmierung strukturell aus:

  • Keine Druckspitzen: Die Schmierstoffabgabe erfolgt ohne den hohen Druck einer Handfettpresse, der Dichtungen belastet und Fett an Lagern vorbeipresst
  • Kontinuierliche Kleinstmengen: Statt schubweiser Überfettung wird der Schmierfilm gleichmäßig und dauerhaft aufrechterhalten
  • Laufzeiten: 1, 3, 6 oder 12 Monate, abgestimmt auf den individuellen Schmierbedarf der Lagerstelle
  • Unabhängig von Personalverfügbarkeit und Schichtplan: Jede Schmierstelle wird zuverlässig versorgt, ohne dass Koordination oder Dokumentation den Prozess beeinflussen

Fazit: Überschmierung ist vermeidbar, mit dem richtigen Ansatz

Überschmierung entsteht nicht aus Fahrlässigkeit. Sie entsteht aus gut gemeinten Routinen, fehlenden Berechnungsgrundlagen und unkoordinierten Abläufen im Schichtbetrieb. Technisch führt sie jedoch zu genau den Problemen, die durch das „extra Fett" verhindert werden sollten: höherer Verschleiß, Temperaturanstiege, Dichtungsschäden und Energieverluste.

Wer Fettmengen berechnet statt schätzt, Zustände überwacht und automatische Schmierstoffgeber wie GREASEMAX® einsetzt, schützt Lager und Dichtungen zuverlässig und reduziert dabei gleichzeitig Schmierstoffverbrauch, Energiekosten, Reinigungsaufwand und die zeitintensive manuelle Schmierarbeit.

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